Spiele für Zoom, Teams oder Skype (etc)

Anders als gängige Backrezepte hier schon jetzt der Inhalt als Übersicht, bevor ich meine emotionale Geschichte ausarbeite:

  1. Wer bin ich? (Alternative: Wer bist du?)
  2. Just One
  3. Werwolf
  4. Cheat-Cooperate
  5. Draw the Picture
  6. Montagsmaler
  7. 3 Lügen, eine Wahrheit
  8. Stadt, Land, Fluss
  9. Schiffe versenken (Alternative: U-Boote versenken)
  10. Bingo
  11. Schummelmax
  12. Münzwurf
  13. Pen & Paper (ich weiß, das kam sehr unerwartet)

Christi Himmelfahrt steht kurz bevor und in meinem Freundeskreis ist es Tradition, dass wir zu diesem Tag aus allen Ländern mal wieder zusammen kommen und auf uns anstoßen. In der Regel gehört dazu auch, dass wir den ganzen Tag Spiele spielen. Neben dem traditionellen Bierball oder The Resistance versuchen wir jedes Jahr auch etwas neues zu finden.
Dieses Jahr ist alles ein wenig anders, denn durch die Corona-Pandemie fällt ein wichtiger Aspekt schonmal aus – wir werden uns nicht persönlich sehen. Das wäre durch die noch geltenden Reisebeschränkungen schon nicht möglich und nebenbei sicher auch nicht sehr verantwortungsvoll. Aber das heißt nicht, dass wir den Tag nicht nutzen! Diesmal also Remote, eine Herausforderung. Ob nun Microsoft Teams, Jitsi, Skype, Zoom, Discord oder Google Hangout (oder andere, es gibt sicher auch Programme, von denen ich noch gar nicht gehört habe), es gibt trotzdem eine Menge Möglichkeiten für Spiele. Und es gibt bereits diverse Listen dazu. Da kann eine mehr doch nicht schaden, besonders, wenn sie von mir kommt!

Ein Hinweis: Ich werde teilweise darauf verzichten, die Regeln der Spiele noch einmal zu erklären, wenn sie bekannt sein sollten. Für den Fall der Fälle werde ich euch trotzdem die Regeln, z.B. als Wikipedia-Artikel, verlinken. Die Zahl hinter der Überschrift gibt die aus meiner Sicht sinnvolle Anzahl an Spielern an, ab denen das Spiel Spaß macht. Das heißt (3+) steht für “Mindestens 3 Spieler”.

Wer bin ich? (3+)

Material: Zettel und Stift

Für mich ein absoluter Klassiker und denkbar einfach. Nun haben wir im Remote-Play aber das Problem, dass sich die Spieler selbst bei der Anzeige ihres Kamerabildes sehen können – und damit ihren Namen entdecken. Stattdessen legt ihr eine Reihenfolge fest (was ihr ohnehin tun müsst, um die Ratereihenfolge zu bestimmen) und jeder Spieler schreibt den Namen seines Vorgängers auf. Wenn der Spieler an der Reihe ist, schließt er zu Beginn kurz die Augen und sein Nachfolger hält den Namen in die Kamera, damit ihn die anderen Spieler noch einmal sehen können.

Alternative: Wer bist du? (4+)

Anstatt den eigenen Namen zu erraten, legt jeder Spieler selbst fest, welche Figur er ist. Zu Beginn jeder Runde einigt sich die Gruppe auf ein Themengebiet, aus dem der Spieler sich eine Figur aussucht und aufschreibt. Danach darf jeder Mitspieler der Reihe nach Fragen stellen, bis er ein “Nein” hört. Der Name muss erraten werden, bevor alle Mitspieler ein “Nein” gehört haben. Dadurch sind die Runden deutlich kürzer und fokussierter, aber auch etwas kniffliger. Ich würde es erst ab 5 Spielern empfehlen und darauf vertrauen, dass die Namen nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht gewählt sind. Oder ihr lasst mehrere Runden zu.

Just One (4+)

Material: Zettel und Stift

Just One ist ein sehr unterhaltsames Denkspiel, bei dem ein Spieler einen Begriff mit Hilfe von Wörtern erraten muss, die ihm seine Mitspieler vorgeben. Was genau das bedeutet, wird in diesem Let’s Play der Rocketbeans sehr schön deutlich und zeigt nebenbei auch, wie das ganze Remote funktionieren kann. Alternativ könnt ihr das Spiel natürlich auch ohne die Karten spielen. Dafür könnt ihr die Wörter beispielsweise im Internet zufällige generieren lassen, oder ihr nehmt ein Buch oder eine Zeitschrift zur Hand. Euer Mitspieler sagt euch dann eine Seitenzahl und und eine zweite Zahl und ihr nehmt das jeweilige Substantiv, dass ihr auf der angegebenen Seite findet. Die Begriffe hängen dann natürlich stark davon ab, was für eine Quelle ihr benutzt. Die Bild der Frau wird vermutlich zu anderen Wörtern führen als das Lexikon der Antike. Vielleicht ist das gut. Vielleicht auch nicht.

Werwolf (5+)

Material: Zettel, Stift und Spielkarten/Würfel

Ein weiterer Klassiker, zumindest aus meiner Sicht. Auf den meisten Listen taucht er aber nicht auf, deswegen lohnt es sich ihn noch einmal zu erwähnen – die Werwölfe von Düsterwald. Die Grundregeln findet ihr hier als kostenlose PDF. Wer das originale Kartenset nicht zur Hand hat, kann sich mit einem Pokerkartenset aushelfen – oder mit Würfeln. Ihr seid schlaue Leute, ich denke ihr findet Mittel und Wege, um die Rollen zu verteilen. Das bedeutet vielleicht etwas mehr Last beim Spielleiter, aber alles im Bereich des Erträglichen.

Natürlich funktioniert das gute alte “Zeigt auf den Spieler, der getötet/gerettet werden soll” nicht so gut. Deswegen braucht ihr Zettel und Stift, schreibt die Namen auf. Und schon kann der Spaß losgehen!

Cheat-Cooperate (2+)

Material: Zettel, Stift und Würfel

Cheat-Cooperate, vielleicht auch eher bekannt als “A Game Of Trust”, ist ein einfaches Spiel in dem jeweils zwei Spieler miteinander spielen. In jeder Runde können sie sich entscheiden, ob sie mit ihrem Mitspieler kooperieren, oder ihn hintergehen. Das ganze Prinzip wurde sehr anschaulich von Nicky Case in The Evolution of Trust verarbeitet. Ich empfehle euch in jedem Fall, euch ihr Spiel anzusehen.

Wie könnt ihr das nun mit euren Freunden spielen? Ihr braucht eine gerade Anzahl von Mitspielern. Vor jeder Runde ermittelt ihr die Paarungen (am einfachsten mit einem Würfel) und dann geht es los. Alle Spieler schreiben auf, ob sie kooperieren oder betrügen und im Anschluss werden die Punkte verteilt. Dann werden neue Paarungen ermittelt und es geht wieder von vorne los. Das macht ihr für eine festgelegte Anzahl von Runden (z.B. 12) oder ihr würfelt nach jeder Runde und bei einem bestimmten Ergebnis ist das Spiel beendet. Das bringt nochmal die Unsicherheit hinzu, dass man nicht weiß, ob es schon die letzte Runde gewesen sein könnte.

Draw the Picture (3+)

Material: Zettel und Stift

Manche Spiele brauchen keine Gewinner und Verlierer. Ein schönes Beispiel ist “Draw the picture”, bei dem ein Spieler ein Bild beschreibt und alle anderen versuchen mit diesen Anweisungen das Bild zu malen. Im Anschluss werden die Ergebnisse verglichen. Aus meiner Sicht ist es hier gar nicht so witzig möglichst gut zu sein, sondern sich über die sehr verschiedenen Ergebnisse zu freuen. Das klappt auch mit Freunden, die einen Stift sonst nur zum Schreiben benutzen.

Eine gute Quelle für Bilder sind, mal wieder, Zeitschriften. Wer es etwas zufälliger möchte, kann sich unter Wikimedia eine zufällige Datei anzeigen lassen. Oder ihr seht euch auf imgur um.

Montagsmaler (4+)

Material: Zettel und Stift

Montagsmaler funktioniert eigentlich immer gut, kann euch aber vor ein paar technische Herausforderungen stellen. Falls ihr alle an einem Desktop sitzt, könnt ihr Webseiten wie Montagsmaler-Online nutzen, um direkt im Browser zu zeichnen. Ansonsten könnt ihr die gleiche Seite nutzen, um euch Begriffe vorschlagen zu lassen, oder ihr nehmt beispielsweise Quizlet. Oder ihr habt eure eigene Liste!

Ihr könnt mit zwei Teams spielen, oder mit mehreren Teams mit jeweils zwei Spielern.

3 Lügen, eine Wahrheit (2+)

Ziel des Spiels ist es, unter vier Aussagen die Wahrheit zu finden. Alternativ könnt ihr das natürlich auch umdrehen und aus vier Aussagen die eine Lüge bestimmen. Außerdem könnt ihr euch überlegen, ob ein Spieler vier Aussagen macht, oder ob sich ein Spieler die Augen zuhält und die anderen Spieler bestimmen, wer die Wahrheit sagt – alle anderen erzählen eine Lüge. Der interessanteste Teil des Spiels ist es sicherlich, dass man so seine Freunde nochmal besser kennen lernt und manche Dinge die Wahrheit sind, obwohl sie unglaubwürdig klingen.

Stadt, Land, Fluss (2+)

Material: Zettel und Stift

Stadt, Land, Fluss” funktioniert immer. Ich hoffe, das muss nicht weiter erklärt werden ;)

Schiffe versenken (2+)

Material: Zettel und Stift

Das traditionelle Schiffe versenken! Schnappt euch kariertes Papier, einen Mitspieler und legt los! Da ihr hier immer nur zwei Spieler gegeneinander antreten lassen könnt, habe ich noch einen Alternativvorschlag: U-Boote versenken! Hier nutzen alle Spieler das gleiche Feld, um ihr U-Boot (Länge von 3 Feldern) zu platzieren. Danach wird der Reihe nach geschossen. Der Kniff ist, dass zwei U-Boote auch versenkt werden, wenn sich ihre Felder überlagern (was sich meist herausstellt, wenn ein Treffer zwei Spieler trifft). Ihr solltet also beim Setzen eures U-Boots im Kopf haben, dass keiner der anderen Spieler diesen Fleck nehmen darf.

Je nachdem wie viele Spieler ihr seid, kann es sinnvoll sein das Feld von 10×10 Feldern auf 12×12 oder noch mehr zu erweitern.

Bingo

Material: Zettel,Stift und Würfel

Bingo ein Spiel für alte Leute? Vielleicht. Ich gebe zu, ich bin nicht mehr der Jüngste. Aber egal! Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch überlegen, wie ihr spielen wollt. Traditionell, mit Zahlen, oder wollt ihr mit Begriffen spielen? Wir kümmern uns erst um die Variante mit Zahlen.

Ihr braucht ein Feld mit 5×5 Kästchen, in das ihr Zahlen eintragt. Welche Zahlen das sind, hängt von euren Würfeln ab. Meine Empfehlung wären zwei 10er oder 20er, aber zur Not reichen auch zwei 6er. Mit 6ern habt ihr 36 mögliche Werte, die in die Kästchen eingetragen werden können: 11, 12, 13, 14, 15, 16, 21, 22… ich denke ihr versteht worauf ich hinaus will. Bei zwei 10ern würde ich ähnlich vorgehen, bei höheren Würfeln aber die Werte addieren (also von 2-40 für zwei 20er). Wichtig ist eigentlich nur, dass ihr mehr als 25 mögliche Werte habt, aus denen “gezogen” werden kann.

Jeder Spieler kann selbst entscheiden, welche Zahl wer in welches Kästchen einträgt. Danach beginnt das große Würfeln. Wenn die gewürfelte Zahl in einem Kästchen steht, streicht ihr das Kästchen ab. Gewonnen hat der Spieler, der zuerst 5 Kreuze in einer Reihe (also senkrecht, waagerecht oder diagonal) hat. Und nicht vergessen – lautes “Bingo!” schreien ist verpflichtend!

Schummelmax

Material: 2 6er-Würfel, blickdichte Becher/Schüsseln

Da die Regeln auf Wikipedia vermutlich besser erklärt sind, hier nur die Erläuterung, wie man Remote spielt. Jeder Spieler braucht seine eigenen Würfel und seinen eigenen Becher. Ja, das wars auch schon. Im besten Fall ist die Kamera so positioniert, dass der Becher einsehbar ist, wenn abgehoben wird (und auch, um fieses Schummeln zu verhindern!) und schon könnt ihr euch gegenseitig belügen und ausspielen!

Münzwurf

Material: Glas, kleine Münze, Tisch

Ein Spiel, das ich aus Kneipen kenne und das sicher viele verschiedene Namen hat, ist Münzwurf (oder Gläaserzielen. Ob man das als Anlass zum Trinken nehmen möchte, ist jedem selbst überlassen. Was wir für unsere Remotevariante brauchen, ist je eine Münze bei jedem Spieler und jeweils ungefähr gleichgroße Gläser. Stellt die Gläser ungefähr eine Elle (Unterarmlänge) von der Tischkante entfernt auf. Dann wird der Reihe nach versucht mit der Münze in das Glas zu treffen. Dazu wird die Münze auf dem Handballen platziert und die Hand gegen die Tischkante geschlagen, sodass die Münze ihre Reise durch die Luft antritt. Wer trifft, bekommt einen Punkt!

Ok, ich will nicht Lügen – es ist ein Trinkspiel und wir nutzen es auch so. Statt Punkte zu verteilen, muss bei einem Treffer die vorherige Person trinken. Da wir Remote keinen gemeinsamen Tisch haben, könnt ihr die Reihenfolge nach jeder Runde wieder neu aufstellen und so etwas mehr Schwung in die Sache bringen. Und vermeiden, dass der arme Freund A immer trinken muss, weil Freundin B noch nie verfehlt hat. Hussa!

Pen & Paper


Mal ganz ehrlich, was wäre das für eine Liste, wenn ich nicht Pen&Paper-Spiele erwähnen würde? Ob Dungeons & Dragons, Fiasco oder Was-auch-immer-ihr-wollt, es gibt eigentlich für jeden Geschmack ein passendes System. Wenn ihr gerade völlig neu in dieses Thema gestolpert seid, habt ihr eine Wahnsinnsreise vor euch! Das mag erstmal etwas einschüchternd wirken, aber glaubt mir – ihr müsst einfach nur anfangen. Es ist ein Erlebnis, das ihr mit euren Freunden teilen könnt und euch unfassbar lange beschäftigen kann. Ihr müsst nur Zeit investieren, um zu spielen, viele Resourcen sind frei verfügbar. Also: einfach anfangen!
Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten und damit ihr nicht völlig verloren seid, hier ein paar praktische Links:

Eure Ideen

Wenn ihr noch geniale Ideen für einfache Spiele habt, bei denen physische Distanz keine Rolle spielt, dann immer her damit! Ihr habt die Chance, dass ich an Christi Himmelfahrt das Glas auf euch erhebe, um für die tolle Idee zu danken! Diese Chance gibt es nicht oft. Ansonsten könnt ihr die Kommentare natürlich auch gern mit anderen Anregungen und Feedback füllen.

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