Adventskalender #17 – Thronsaal

Manchmal sind es nicht die Dinge, die wir sehen, die uns einen Schauer über die Rücken jagen, sondern die Dinge, die wir nicht sehen.
Vorsicht, Spoilerwarnung – dieser Inhalt richtet sich primär an Spielleiter*Innen. Wenn ihr also Spieler*Innen seid, seid euch bitte bewusst, dass ihr euch selbst spoilern könntet.

Thronsaal

Ihr steht Thronsaal des Schlosses. Auch dieser Ort ist vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben. An den Wänden ranken tiefgrüne Pflanzen mit dicken Stacheln empor und ein Teil der Dachkuppel ist eingefallen, sodass das Licht des Vollmonds eindringen kann. In den Lichtstrahlen sichtbar tanzt Staub durch die Luft und ein modriger Geruch dringt euch in die Nase.
Es muss schon mehr als ein Jahrhundert her sein, dass ein schlagendes Herz diesen verfluchten Ort betreten hat. Vor dem Thron liegen noch die sterblichen Überreste der Leibgarde, tapferer Männer und Frauen, die ihrem Untergang nicht ausweichen konnten. Ein braune Staubschicht bedeckt die alten Auf der linken Seite, in die mottenzerfressenen Überreste eines Vorhangs gehüllt, liegen die Knochen der Königin. Zumindest lässt die zerbrochene Krone darauf schließen.
Über den Boden, bis zu den Stufen zum Thron des Königs, ziehen sich lange Kratzspuren durch die Steinplatten. Bis heute ist ungewiss wer… oder was… das Schloss in nur einer Nacht so verwüstet hat. Doch das ist nicht die Frage, die euch gerade beschäftigt. Denn ihr habt gerade entdeckt, dass der Thron nicht mit Staub bedeckt ist.

Das Problem
Wenn jemand nah genug am Thron ist, um zu bemerken, dass dieser nicht mit Staub bedeckt ist, wird plötzlich die riesige Flügeltür durch eine unsichtbare Macht zugeschlagen. Danach herrscht für einen Moment Stille. Ein Wispern wird durch den Raum getragen und jeder Charakter hört andere Worte eines Mannes („Verrat!“, „…Liebe meines Lebens…“, „Standhalten oder untergehen“). Der Charakter, der am nächsten zum Thron steht, hört zunächst nichts. Dann vernimmt dieser Charakter klar die Worte: „Dieses Land hatte immer einen König und wird immer einen König haben!“. Kurz darauf beginnen die Skelette sich zu bewegen und sich aufzurichten. Zunächst greifen sie die Charaktere nicht an, es sei denn sie werden zuerst angegriffen. Nach einer gewissen Zeit ertönt der Klang einer riesigen Glocke und sie greifen alles und die Eindringlinge werden attackiert.

Die Untoten können mit normalen Mitteln nicht endgültig besiegt werden – nach einer kurzen Zeit stehen die alten Knochen wieder auf, selbst wenn sie zerschlagen werden.

Die Lösung

Es gibt aus meiner Sicht mindestens drei Szenarien, wie diese Situation enden kann. Die Charaktere können versuchen die große Tür zu öffnen und zu fliehen.
Sie können auch versuchen die Untoten so zu bearbeiten, dass es ihnen nicht möglich ist, wieder aufzustehen (beispielsweise, indem die Knochen mit großer Kraft zersplittert werden, oder durch heilige Mächte).
Als letzte Möglichkeit: sobald einer der Charaktere auf dem Thron Platz nimmt, halten die Untoten Inne. Der Körper der Königin bewegt sich hinter den Thron und holt von dort die Krone des Königs. Sie wird versuchen, diese Krone auf dem Kopf des Charakters zu platzieren. Sollte das nicht passieren, werden die Untoten wieder den Kampf aufnehmen. Akzeptiert der Charakter die Krone, hören die Untoten nun auf seine/ihre Befehle. Das gilt nicht nur für die Untoten im Raum, sondern im gesamten Schloss. Dafür trägt der Charakter aber die „Last des Königs“ auf den Schultern. Je länger er oder sie die Krone trägt, desto mehr dringt der Geist des alten Königs ein. Dieser ist vom Wahnsinn zerfressen und wird mit allen Mitteln versuchen, das Königreich mit einer Armee von Untoten wieder aufzubauen.

Wo befindet sich die Falle?
In einem alten, zerfallenen Schloss, das niemand betritt. Man erzählt sich schaurige Geschichten über diesen Ort und Schätze gibt es wohl schon lange nicht mehr zu holen.

Die Geschichte

Der König war sich bewusst, dass er heute Nacht sterben würde. So wie alle, die mit ihm im Thronsaal waren. Jeder wusste es. Die schrecklichen Schreie außerhalb dieser Mauern konnten einen Mann an den Rand der Verzweiflung treiben, aber für den König bedeuteten sie Klarheit. Niemand konnte diese Bestie aufhalten. Und selbst wenn es jemand gab, der das vermochte – für Hilfe war es längst zu spät. Dann trat Stille ein.

Einige Minuten lang war kein Laut mehr zu hören. Die Schreie hatten geendet, das Flehen war vorbei. Absolute Stille.
Dann plötzlich erzitterte die mächtige Eingangstür des Saals! Der schwere Holzbalken, der sie verschloss, ächzte unter der Wucht. Wieder und wieder schmiss sich die grausame Bestie mit ihrem ganzen Körper gegen die Tür. Bis das schwere Holz müde nachgab und splitterte. Die Leibgarde griff ihre Waffen fester und ging in Stellung für ihren letzten Kampf. Der König setzte sich auf seinen Thron und akzeptierte das Unheil, das gleich über sie alle hereinbrechen würde. Wie in Trance murmelte er die Worte, die sein Vater ihm wieder und wieder gesagt hatte: „Dieses Land hatte immer einen König und wird immer einen König haben!“.

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Wenn ihr die letzten Fallen sehen wollt, findet ihr sie hier:
Adventskalender voller Fallen
Adventskalender #1 – Arizaras Pfad
Adventskalender #2 – Packende Löcher
Adventskalender #3 – Anziehungskraft
Adventskalender #4 – Olsens Schloss
Adventskalender #5 – Abenteurerfalle
Adventskalender #6 – Schwebende Knochen
Adventskalender #7 – Eimer voller Wasser
Adventskalender #8 – Rutschige Rampe
Adventskalender #9 – Schlummerkappen
Adventskalender #10 – Showstopper
Adventskalender #11 – Federkleid
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