Adventskalender #21 – Herzliche Geste

Die Weihnachtszeit ist die Zeit, in der wir mit dem Herzen bei den Liebsten sind.
Bevor wir unseren Eingeweiden widmen, noch die Spoilerwarnung – dieser Inhalt richtet sich primär an Spielleiter*Innen. Wenn ihr also Spieler*Innen seid, seid euch bitte bewusst, dass ihr euch selbst spoilern könntet.

Herzliche Geste

Ihr betretet das Heiligtum nur sehr langsam und vorsichtig. Der Geruch von abgestandenem Wasser und nicht mehr ganz frischem Fisch steigt euch in die Nase. Man merkt, dass ihr mehrere Meter unter der Wasseroberfläche des Sees seid – von den Wänden rinnen leise kleine Wasserströme und beinahe der ganze Boden ist mit irgendwelchen Algen bewachsen. Der ganze Raum ist leicht schräg, sodass sich in der hinteren Ecke eine große Pfütze gesammelt hat. Durch die kleinen Risse in den Wänden kann das Wasser sowohl ein-, als auch austreten.
Deutlich interessanter ist aber der Altar in der Mitte des Raums. In der Mitte befindet sich ein großer, steinerner Tisch. Von diesem aus gehen vier Linien zu kleinen Podesten auf Hüfthöhe. Die Linien sind in die Bodenplatten gemeißelt und werden von merkwürdigen Symbolen und Runen geziert. Die vier Podeste stehen auf einer Rinne, die einen Kreis um den Tisch herum bildet. Hier hat sich Wasser gesammelt. Die Oberseite der Podeste ist schwarz-bräunlich verfärbt und in jeder steckt ein gezackter, steinerner Dolch.

Als ihr euch dem Kreis nähert, flammt über dem steinernen Tisch eine kleine blaue Flamme auf. Ihr vernehmt eine tiefe Stimme, die sagt: „Wer Ulnar sein Herz schenkt, dem sei die Gabe Ulnars gewährt“. Danach verschwindet die Flamme und es ist wieder still.


Wenn ein Charakter an eines der Podeste tritt, flammt über diesem eine weitere kleine blaue Flamme auf. Diese spricht allerdings nicht und verschwindet, wenn man sich wieder vom Podest entfernt. Wenn an allen Podesten eine Person steht, wechseln die Flammen die Farben und werden grün. Nimmt in der Mitte auf dem Steintisch eine weitere Person Platz, wechseln die Flammen erneut die Farbe und werden goldfarben.

Das Problem

Die Podeste mit den Klingen und die getrockneten Blutflecken suggerieren, dass man sich das Herz herausschneiden muss, damit eine andere Person die Gabe empfängt.

Der Anreiz

Ulnar ist eine Gottheit der Anderswelt, in der verstorbene Seelen ihre letzte Ruhe finden. Die Gabe Ulnars erlaubt es einem Charakter einmalig, einen anderen Charakter von den Toten auferstehen zu lassen (in DND ist der passende Zauber True Ressurection). Dafür muss der Charakter nur den Namen der Person oder Kreatur aussprechen und sie wird bei bester Gesundheit wieder zum Leben erweckt. Diese Kreatur wird sich zwar an ihr Leben erinnern, nicht aber an die Zeit nach ihrem Tod.

Die Lösung

Wie bei jedem guten Rätsel gibt es keine richtige Lösung. Hier dürfen eure Spieler kreativ werden und euch überraschen. Falls jemand die Runen auf ihre magischen Eigenschaften untersucht, könnt ihr diese gern erklären. Dafür nachfolgend ein paar Anregungen, was ich zulassen würde. Natürlich können sie sich die Herzen herausschneiden, in der Regel ist das aber ziemlich schwer und auch tödlich. Alternativ könnten sie sich auch in die Finger schneiden und danach ihre liebste Kindheitserinnerung teilen. Oder ein Ereignis, dass sie bis heute emotional bedrückt. Es wäre auch möglich, dass sie den Gegenständ wählen, der ihnen am liebsten ist und diesen mit dem Messer zerstören.

Wo befindet sich die Falle?
Natürlich könnt ihr sie in einem Dungeon aufstellen, aber ich sehe sie eher als eigenständig und nicht verknüpft mit anderen Rätseln oder Fallen. Deswegen bietet sich ein verlassener, vergessener Ort gut an. Beispielsweise ein versunkener Tempel oder ein geheimer Ritualplatz im Wald, auf den die Spieler*Innen durch ein Loch im Boden stoßen.

Die Alternative(n)

Ihr könnt statt Ulnar natürlich eine beliebige Gottheit oder Macht eurer Welt benutzen. Ebenso könnt ihr andere Gaben als Geschenke anbieten und die erforderliche Prüfung brutaler oder sanfter machen.
Für die Vorbereitung solltet ihr so viele Podeste aufstellen, wie ihr Spieler in der Gruppe habt. Es könnten auch weniger sein, aber wenn ihr euch dafür entscheidet, dass beispielsweise jeder eine Kindheitserinnerung teilen muss, dann ist es schön, wenn alle etwas preisgeben müssen.

Die Geschichte

Der Tempel Ulnars war einst der Ort der Ruhe, der Besinnung und der Trauer. Den Priestern war bekannt, dass der Zeitlose geneigt war ihnen den Tod zu ersparen. Doch sie sahen das Ende eines Lebens sowie die Trauer als notwendig an, um ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren. Das imponierte Ulnar sehr und er empfing jeden der Gläubigen mit offenen Armen in der Anderswelt.
Als ein großes Beben eine Quelle im nahen Berg freilegte, wurde das Tal langsam aber sicher überschwemmt. Niemand wurde überrascht, denn es dauerte knapp zwei Jahre, bis das ganze Tal mitsamt seiner Dörfer und dem Tempel verschwunden war. Aber wie der Tod war der Prozess nicht aufzuhalten. Heute schlummert Ulnars Heiligtum unter der ruhigen Oberfläche des tiefblauen Sees und wartet darauf, wieder entdeckt zu werden.

Euer Feedback

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Wenn ihr die letzten Fallen sehen wollt, findet ihr sie hier:
Adventskalender voller Fallen
Adventskalender #1 – Arizaras Pfad
Adventskalender #2 – Packende Löcher
Adventskalender #3 – Anziehungskraft
Adventskalender #4 – Olsens Schloss
Adventskalender #5 – Abenteurerfalle
Adventskalender #6 – Schwebende Knochen
Adventskalender #7 – Eimer voller Wasser
Adventskalender #8 – Rutschige Rampe
Adventskalender #9 – Schlummerkappen
Adventskalender #10 – Showstopper
Adventskalender #11 – Federkleid
Adventskalender #12 – Abstellkammer
Adventskalender #13 – Verkehrte Welt
Adventskalender #14 – Dopplertür
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